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Anna-Bergwerkshalde

GPS: 49°49'43.021"N 17°43'9.301"E - Karte

 

NITTMANN-STOLLEN

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann Johann Nittmann mit der Förderung auf seinem Grundstück - an der Stelle, wo sich heute eine Bushaltestelle in Mokřinky befindet.  Zuerst hat er die Förderung an der Oberfläche betrieben, später dann im Stollen. Die Förderung hat dann Sohn Josef von ihm übernommen. Das ursprüngliche Bergwerk beim Bach wurde von Josef an den Besitzer des Großguts Melč, den Grafen Arz von Wasseg verkauft und nach dem Jahr 1840 hat er unterhalb des nicht weit entfernten Bergs Moraberg einen neuen Schacht eröffnet.  Hier begann eine große Schieferhalde zu entstehen. Auf dieser befanden sich neben dem Förderturm auch die Betriebsgebäude.  Von Nittmann wurde hier bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts die Förderung erfolgreich betrieben.

CARL-SCHACHT

Später wurde dann von Nittmann auch dieses Bergwerk an den Gutsbesitzer des Guts Melč verkauft. Dieser hat für die hiesigen Bergwerke eine Aktiengesellschaft gegründet. Die Förderung wurde auch danach ohne Unterbrechung fortgesetzt, als der Großunternehmer und Bauherr Carl Weisshuhn das Bergwerk zusammen mit dem sehr heruntergekommenen Kurort Janské Koupele im Jahr 1884 für    50 000 Goldtaler von Felix Graf Arz von Wasseg gekauft hat.   Zu dieser Zeit betrug der jährliche Gewinn des Schieferbergwerks 6 000 Goldtaler. Um das Jahr 1890 wurde das Bergwerk, welches Weisshuhn in "Carl-Schacht" benennen ließ, erweitert und unterirdisch mit einem weiteren neu eröffneten Schacht verbunden, welcher zuerst nach Weisshuhns Ehefrau "Friderike-Schacht" benannt wurde.  Der Förderturm vom neuen Schacht befand sich links, an der Stelle, welche heute eingezäunt ist. Der neue Schacht, dessen Halde sich oberhalb der Wegkreuzung in Mokřinky erhebt, hat in Verbindung mit dem ursprünglichen Bergwerk bereits im Jahr 1892 einen größeren Gewinn eingebracht, als ursprünglich vorausgesetzt wurde.

ANNA-SCHACHT

Im Jahr 1908, als im Carl-Bergwerk bereits gefördert wurde, verkaufte Weisshuhn das Bergwerk an den Grafen Razumovský. Von diesem wurde die Förderung im Friderike-Bergwerk, welches er in Anna-Schacht umbenennen ließ, bis zu seinem Tod im Jahr 1917 fortgesetzt.  Anschließend wurde hier die Förderung von seinen Erben weiter betrieben.  Während der Ersten Tschechoslowakischen Republik wurde im Rahmen der Grundstücksreform ein Teil seines Besitzes, einschließlich des Bergwerks beschlagnahmt.

ANNA-SCHACHT. Die Förderung im Bergwerk wurde während des Kriegs gedrosselt und nach dem Krieg komplett eingestellt. In den letzten Kriegstagen wurden im Bergwerk ungefähr 1000 kg Sprengstoff gelagert. Diese sollten zu Sabotageakten der hiesigen Wehrwölfe dienen. In den Wirren, die vor der Ankunft der Fronten herrschten, kamen sie aber glücklicherweise nicht mehr zum Einsatz.

DAS BERGWERK UNTER JAN ŘIHÁK

Der letzte erfolgreiche Unternehmer im Anna-Bergwerk war Jan Řihák aus Olomouc, der Besitzer der Schieferbergwerke in Velká Střelná und Hrubá Voda. Řiháks Leben ist eng mit der Tätigkeit in der Schieferindustrie verbunden - und dies während des gesamten Zeitraums des Aufstiegs und Niedergangs der Schieferindustrie.  In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts befand sich die Schieferindustrie in einer tiefen Krise, welche durch den Ersten Weltkrieg ausgelöst wurde und welche sich im Verlust von Förderstätten sowie in nicht ausreichender Kohle für Dampfmaschinen bemerkbar machte. Zu Beginn der 30er Jahre erschien darüber hinaus auf dem Markt eine neue Dachabdeckung auf Basis von Asbestzement. Im Jahr 1922 trat Jan Řihák in die Firma seines Schwiegervaters „Josef Prucek – Dachdeckerei Olomouc“ ein. Auf Basis des Marktvertrags kaufte er am 8. Juli und 14. August 1930 Waldgrundstücke, einen Schiefersteinbruch (Parifikat) sowie ein Bürogebäude im Katastergebiet der Gemeinde Melč.   Er wollte die fördertechnisch geeigneten und historisch erforschten Gebiete belegen und auch den Schieferabfall, welcher sich in diesen Lokalitäten befand, als strategischen Rohstoff für die neu entstehende Grammofon-und Gummiindustrie verwenden.

Entsprechend den Untersuchungen, welche von Jan Řihák erarbeitet wurden, besteht der Lagerstättenkomplex am linken Ufer des Flusses Moravice aus sechs Lagerzonen mit einer Mächtigkeit von 6 bis 10 m sowie einem Einfall von 15°-20°NO und einer Schichtenneigung von 70° bis 80° SO. In dieser Lokalität befand sich eine außergewöhnlich hochwertige Lagerstätte. Der Schiefer von Mokřiny mit einer Härte von 2,5 bis 3,5 Grad entsprechend der Mohs-Skala hat sich durch eine gute Qualität ausgezeichnet sowie durch eine stahlblaue und dunkelblaue Farbe und vor allem durch die glatte Oberfläche auf den spaltbaren Flächen.

Im Jahr 1931 wurde von Jan Řihák mit den Vorbereitungsarbeiten begonnen, um die Förderung wieder aufnehmen zu können.  Als Bergwerksverwalter entschied er sich für den erfahrenen Johann Wiederholt. Das Gebäude, in welchem der Schiefer gespalten wurde, wurde repariert und der Holzförderturm wurde komplett restauriert. Im darauffolgenden Jahr hat Řihák erfolgreich mit der Förderung begonnen.  Im Jahr 1932 hat er auch ein eigenes Bergwerk in Velká Střelná eröffnet und nur kurze Zeit später begann auch dieses wieder zu prosperieren. Eine neue Niedergangswelle brachte der Zweite Weltkrieg mit sich.  Die böhmischen Unternehmer mussten das Sudetengebiet verlassen und die Bergwerke in Velká Střelná und Hrubá Voda wurden von der deutschen Firma „Freihernmsdorfer Dachsschierewerke – Werke Tatzel et Comp.“ konfisziert.  

Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Bergwerke sukzessive in den Besitz des Staats über, allerdings ist es nicht gelungen, die Förderung in der hiesigen Lokalität wiederaufzunehmen.   

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