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Gebauer- und Mar-Bergwerk

GPS: 49°49'25.860"N 17°42'46.019"E - Karte


TRAGISCHES EREIGNIS IM JAHR 1885

An diesem Ort wurde eines der kleinsten Schieferbergwerke von Zálužné betrieben.

Im Jahr 1884 wurde hier vom hiesigen Bauern Franz Gebauer zusammen mit dem ehemaligen Besitzer der hiesigen Mühle Augustin Mar mit dem Vortrieb eines neuen Stollens begonnen.  Bis zur ersten Hälfte des Jahrs 1885 betrieben sie die Förderung im senkrechten Schacht und begannen, einen waagerechten Stollen zu errichten.

Das Jahr 1885 - nebenbei das Jahr des einhundertjährigen Bestehens der Ortschaft Zálužné - war für die hiesigen Schieferbergwerke ein schicksalhaftes und tragisches Jahr.  In allen Bergwerken im Moraberg kam es seinerzeit zum Grundwasserdurchbruch. Die schlimmsten Folgen dieses Ereignisses waren gerade im neu errichteten Gebauer- und Mar-Bergwerk zu verzeichnen. Zur plötzlichen Überschwemmung des Bergwerks kam es zu dem Zeitpunkt, als sich dort zusammen mit den Bergmännern auch die beiden Besitzer befanden.  Franz Gebauer wurde seinerzeit verletzt, aber er hat das Unglück mit lebenslangen Folgen überlebt.  Er hat keine weiteren Versuche mehr in Bezug auf eine weitere Förderung unternommen.

Dem Müller Mar war später nicht so ein Glück beschieden. Um die Arbeit im Bergwerk kümmerte er sich auch weiterhin - mit Unterbrechungen - selbst. Er versuchte, das Bergwerk abzupumpen, um von Neuem in das Bergwerk zurückkehren zu können.  Nachdem im Jahr 1891 der untere Teil des Schachts wieder vom Wasser überschwemmt wurde, hat er versucht, die Höhe des Wasserspiegels zu ermitteln. Am 3. März 1891 ist er um halb elf Uhr nachts in den vom Wasser überschwemmten Schacht gestürzt, hat sich verletzt und war im Bergwerk gefangen.

Nach erfolglosen Hilferufen und Versuchen, aus dem Bergwerk zu gelangen, ist er hier im Alter von 75 Jahren ertrunken.    Er war somit das einzige bekannte direkte Opfer des Bergwerksunglücks, welches durch den Grundwasserdurchbruch verursacht wurde.

Gebauers Sohn Julius hat nach dem Tod des Vaters zusammen mit seiner Frau Anna entschieden, zum Gedenken an dieses Ereignis eine Kapelle zu errichten. Am 6. August 1897 ließen sie in der Nähe des Schachts, der schon einige Jahre "Wasserloch" genannt wurde, vom ursprünglichen Grundstück des Bergwerks eine neue Bauparzelle - Nr. 87 als Platz zur Errichtung der Kapelle abtrennen. Bald danach begannen sie mit deren Errichtung. Die Kapelle sollte immer an das beschriebene tragische Ereignis erinnern und bis heute gilt es auch als Denkmal für alle anderen Opfer der hiesigen Schieferbergwerke.

 

DER LETZTE, DER IN  ZÁLUŽNÉ SCHIEFER GEFÖRDERT HAT

Josef Štýbnar wurde am 19.3.1913 in Nákle geboren, im Jahr 1933 lernte er bei der Firma Šindler in Olomouc Dachdecker und Asphaltleger. Hier arbeitete er bis zum Jahr 1937. Von hier ist er dann als Dachdecker zur Firma Prucek und Řihák gegangen, wo er bis zum Ende des Kriegs gearbeitet hat. Hier hat er nicht nur Jan Řihák kennengelernt, sondern konnte sich auf dessen Veranlassung hin auch mit der Verwendung sowie insbesondere mit der Förderung von Schiefer vertraut machen.  Ihre Zusammenarbeit hat sich sukzessive sehr erfolgreich entwickelt.

Im Sommer 1945 hat Štýbnar im Schieferbergwerk von Řihák in Hrubá Voda zu arbeiten begonnen. Hier hat er als Bergwerksaufsicht gearbeitet - und nachdem er die Sprengmeisterprüfungen abgelegt hatte, auch als Sprengmeister.

Als von Jan Řihák die nationale Verwaltung des Pollak-Bergwerks in Zálužné übernommen wurde, betraute er Štýbnar ab 1. Oktober 1947 mit der Leitung dieses Bergwerks. Durch die langjährige gegenseitige Zusammenarbeit konnte sich Štýbnar wertvolle Fachkenntnisse über Schiefer aneignen, welche er später an seine Nachfolger weitervermitteln konnte. Zwischen beiden ist eine feste Freundschaft entstanden.

Jan Řihák, dessen gesamter Besitz sowie alle Firmen und auch die Bergwerke nach 1948 verstaatlicht wurden, hat weiterhin als normaler Arbeiter in der Schieferindustrie gearbeitet.  Bis zum Jahr 1956, wo er die Kündigung erhalten hat, hat er als Leiter des Mühlenhauses in Hrubá Voda gearbeitet.  Nach der Entlassung durfte er aufgrund seiner unternehmerischen Vergangenheit nicht mehr in leitender Funktion tätig sein. Aus diesem Grund hat er als Bergwerkstechniker im hiesigen Bergwerk unter der Leitung von Josef Štýbnar gearbeitet. Bei den Štýbnars hat er im Haus Nr. 32 in Zálužné auch gewohnt.

In dem Bergwerk, welches von Štýbnar bis zu seinem Renteneintritt im Jahr 1969 geleitet wurde, waren zu Beginn der 50er 23 Arbeiter beschäftigt.  Neben den hiesigen Bewohnern waren unter ihnen auch die Angehörigen von zwei deutschen Familien - der Familien Stecker und Kuttler aus Velká Střelná.  Als Spezialisten für die Förderung und Verarbeitung von Schiefer wurden sie nicht vertrieben, sondern konnten bleiben, damit sie ihre Fachkenntnisse an die neuen Arbeiter weitergeben können. Josef Štýbnar, welcher sich seine Fachkenntnisse aufgrund der langjährigen Tätigkeit in den Řihák-Bergwerken aneignen konnte, war auch für sie eine wichtige Autorität.  Bald nachdem Štýbnar in Rente gegangen war, wurde das Bergwerk geschlossen. Die Förderung der Lagerstätte wurde im Jahr 1971 durch den neu eröffneten Schacht Lhotka fortgesetzt. 

 

GRUBENWASSER

Die Lösungssuche für Grubenwasser war in der Regel eine sehr aufwendige Angelegenheit. Grubenwasser wird entsprechend dem Ursprung in drei grundlegende Gruppen eingeteilt:

  • in Vados-Wasser - Grundwasser,
  • in atmosphärisches Wasser,
  • in Oberflächenwasser - fließendes Wasser.

 

Das Vados-Wasser hat seinen Ursprung überwiegend im atmosphärischen Wasser, welches bereits früher durch Risse, Schichtungsfugen sowie durch den Einfluss in Bezug auf die Durchlässigkeit von einigen Gesteinsarten in die Erdkruste entstanden ist. Der Durchschnittspegel dieses Wassers ist stabil, da auch dessen Zuflüsse relativ stabil bleiben.

Das atmosphärische Wasser dringt in die Bergwerke vor allem bei Regen und während der Schneeschmelze ein. Dessen Menge ist veränderlich. Die größte Menge dieses Wasser bildet sich vor allem im Frühjahr in den Bergwerken.

Beim Oberflächenwasser - beim fließenden Wasser handelt es sich um das Wasser von Bächen und Flüssen. Dieses Wasser dringt in den Fällen ins Bergwerk ein,
wenn dessen Pegel über der Förderhöhe liegt.

Wenn es sich um ein abflussloses Bergwerk handelt, muss die Lösung für das Grubenwasser durch die Errichtung von Abflussstollen – Wasserstollen erfolgen oder durch das Pumpen des Wassers an die Oberfläche beziehungsweise in den Abflussstollen.


Beispiele aus der Umgebung:

Beim Pollak-Stollen handelt es sich um ein Bergwerk, wo das Wasser von selbst abfließt und welches mit einem leichten Anstieg vom Eingang zum Einschnittgraben errichtet wurde.   Auf analoge Weise sind auch die Raab-Bergwerke errichtet worden. 

Beim Carl-Bergwerk in Mokřinky handelt es sich ursprünglich um ein abflussloses Bergwerk, wo das Wasser zuerst an die Oberfläche gepumpt wurde. Später wurde ein 400 m langer Wasserstollen errichtet, wodurch das Wasser im Bergwerk nunmehr von selbst abfließen kann. Analog hat dies auch im Nittmann-Bergwerk funktioniert.

Das Schieferbergwerk Lhotka - das modernste Schieferbergwerk in der Tschechischen Republik, wurde in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtet.    Die Lösung für das Bergwerk, in welchem das Wasser von selbst abfließt, ist über alte Gruben vom ehemaligen Bergwerk Lhotka erfolgt.  Der neue Förderschacht wurde in einer Tiefe von 41 m über einen Aufgrabungsstollen an die alten Gruben des Bergwerks Lhotka angeschlossen, in welchem das Wasser von selbst abfließt. Das Grubenwasser konnte im neuen Bergwerk somit über ein leichtes Gefälle bis zur Mündung des alten Bergwerks Lhotka abgeleitet werden, welches sich ca. 10 m unterhalb der Sohle des neuen Bergwerks befindet.

Dort, wo kein Wasserstollen errichtet werden konnte, wurde in der Regel ein Wasserschacht errichtet, an dessen Ende sich ein Wasserbehälter befand, in welchen alle Ausgrabungs- und Versuchsstollen abliefen. Über den Wasserschacht wurde das Grubenwasser aus dem Wasserbehälter abgepumpt. Solche Bergwerke befanden sich vor allem in Velká Střelná, wo deren Tiefen bis tief unter den Pegel von allen umliegenden Wasserflüssen reichten.   Interessant ist, dass diese Bergwerke während ihres Bestehens auch einige Male komplett überschwemmt worden sind, vor allem in Krisenzeiten, als die Kohlevorräte ausgingen und die Dampfmaschinen gestoppt wurden, über welche die ursprünglichen Pumpen angetrieben wurden.

 

ABPUMPEN DES GRUBENWASSERS

Zum Abpumpen des Grubenwassers wurden in der Vergangenheit die unterschiedlichsten Pumpenarten verwendet - von der Holz- und


Kolbenpumpe, über die horizontale Zentrifugalpumpe bis hin zur Tauchpumpe - Nautilus. Für die Pumpen wurden verschiedene Antriebsarten verwendet - über das Wasserrad, mit Windkraft (Velká Střelná - unter der Verwaltung von Burghauser um das Jahr 1880), mit Dampfantrieb (Zálužné – Nittmann, Weisshuhn) und gegenwärtig werden elektrische Pumpen verwendet (Velká Střelná – zum ersten Mal in den Schieferbergwerken, Řihák 1932).

Analoge Lösungen gelten auch für die Schächte in den Oberflächensteinbrüchen. Als Beispiel seien zwei technisch einmalige Steinbrüche erwähnt: 

 

DER STEINBRUCH IN SVOBODNÉ HEŘMANICE

Dessen ursprüngliche Tiefe hat ca. 60 m betragen, heute ist er geflutet.  In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde hier die Förderung und damit verbunden das Abpumpen des Wassers aus dem Steinbruch eingestellt. Da es sich um einen abflusslosen Steinbruch gehandelt hat, ist der Wasserspiegel bis zu einer Höhe von 45 m angestiegen.

 

DER STEINBRUCH VON PUSTÉ DRŽKOVICE

Bis heute ist zu sehen, wie der Wasserlauf des Bachs geändert wurde, als der Steinbruch in Betrieb war, der sich oberhalb der Sohle des Steinbruchs befunden hat. Unter anderem ist hier die ursprüngliche Nutzung des Wasserlaufs zum Antrieb der Maschinen sowie vielleicht auch zum Antrieb der Wasserpumpen zu verzeichnen. Die Drehkraft der Wasserräder wurde über Transmission übertragen.

 

WASSER UND DESSEN NUTZUNG IN DEN SCHIEFERBERGWERKEN

Im Rahmen der Förderung wird Wasser bei den Bohrarbeiten verwendet. Die mit Druckluft angetriebenen Bohrmaschinen werden gleichzeitig an die Wasserverteilung im Bergwerk angeschlossen und während des Bohrvorgangs fließt Wasser.   Im Rahmen der Bearbeitung des Rohstoffs wurden auch große Wassermengen verwendet - wie z. B. zum Schneiden und Schleifen der Schieferplatten sowie zum Kühlen der Maschinen. Das Schneiden und Schleifen erfolgt generell im nassen Zustand, wodurch verhindert wird, dass sich gesundheitsschädlicher Schleifstaub bildet. Beim Schneiden fließt das Wasser von der Scheibe auf den zerkleinerten Schiefer und kühlt die Schneidscheibe.  Aus diesem Grund wird das Grubenwasser auch in Bergwerken, in denen das Wasser von selbst abfließt, in Behältern zurückgehalten, von wo es in der erforderlichen Menge in Speicher zum Zweck der Förderung und Verarbeitung gepumpt wird. 

 

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