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Gemeindestollen

GPS: 49°48'53.938"N 17°42'57.240"E - Karte


GEMEINDESTOLLEN

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Zálužné mit einem Zuschuss von der Gemeinde Nové Těchanovice eine neue Brücke errichtet. Damit der Gemeinderat von Nové Těchanovice das Geld zur Errichtung der Brücke beschaffen konnte, ließ er Holz aus dem Gemeindewald fällen und verkaufen, welcher in der Umgebung dieser Lehrpfadstation gewachsen war. Um weitere Mittel zu erhalten, schien es geeignet, auf der Waldlichtung auch mit der Schieferförderung zu beginnen.

Das Grundstück wurde an den Gastwirt Franz Pollak verpachtet, welcher hier den sog. "Gemeindestollen" vortreiben ließ.  Dieser ist ca. 130 m lang und dessen Abschluss bildet eine Kammer. An der Stelle, wo der Stollen an das Lager herangereicht hat, verlaufen rechts und links zwei Versuchsstollen,  von denen die Kamine nach oben zum oberen Abschlag führen.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte dieses Bergwerk noch eine andere Bedeutung. Analog den anderen Stollen in der Umgebung diente es als Versteck für die hiesige Bevölkerung. Im Jahr 1938 haben sich in diesem die Angehörigen der sog. grünen Garde versteckt - dies waren Jungen aus deutschen Familien, welche es ablehnten, während der Mobilisierung in die tschechoslowakische Armee einzurücken. Im Jahr 1945 dienten dann dessen Gänge und Lager wieder als Zufluchtsort für Hunderte hiesige Menschen vor der sich nähernden Front.   Sie haben sich hier auch mit dem Vieh sowie mit den nötigsten Sachen versteckt. Im unterirdischen Bereich der Bergwerke wurden von den hiesigen deutschen Bewohnern auch beträchtliche Mengen von Wertgegenständen versteckt und eingemauert. Diese waren jedoch nach dem Krieg unwiederbringlich verloren und die hiesigen Bewohner erinnern sich nur an kleinere Funde sowie an Funde von Militärmaterial.
 

NOVÉ TĚCHANOVICE

Nové Těchanovice ist eine der ältesten Gemeinden in der Umgebung. Ursprünglich war dies ein überwiegend landwirtschaftliches Dorf mit großen, bis zu 30 Hektar großen Bauernhöfen. Der Schieferförderung begegnen wir hier vor 1850, als seinerzeit " hinter der Vogtei des Vogts Engel an der Grenze zu Hoferb, in der Nähe der Grundstücke, welche an den Besitz der Bauern aus Lhotka angrenzen, ein Schiefersteinbruch eröffnet wurde." Nach dem Jahr 1880 hat Josef Gromes die ehemalige Vogtei mit dem Schiefersteinbruch gekauft.      Damals, zu einer Zeit von relativem Reichtum und Konjunktur, waren die meisten Bauernhöfe und Gebäude in der breiten Umgebung mit Schiefer gedeckt und die Schieferförderung sowie die Produktion der Schieferabdeckung war sehr ertragreich.

Gromes kaufte noch das Anwesen Nr. 46 dazu, welches sich im Wald nahe dem Schiefersteinbruch - gegenüber der Hanzl-Mühle befindet. Er baute das Objekt von Grund auf um und zukünftig fungierte es als Familien- und Firmensitz. Zu dem Anwesen gehörten auch die nicht weit entfernten Stallungen, Schmiede und Wohnungen für die Beschäftigten (Berghaus Nr. 47 auf der Parzelle Nr. 83).

Die Bergwerke mit den Immobilien kaufte im Jahr 1900 der Besitzer des Gasthauses Parzelle Nr. 8 von Nové Těchanovice - Franz Pollak - und dies zum gerichtlich festgelegten Preis von 4.500 Goldtaler. 

Dieser eröffnete dann später auch oberhalb des Flusses Moravice den neuen, sogenannten Pollak-Stollen. Darüber hinaus war er auch Besitzer des Steinbruchs in  Hornigsgrund in Zálužné. Im Pollak-Stollen wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gefördert. Im Mai 1945 wurde er im Arbeitslager von Vítkov interniert, wo er im Frühjahr 1946 im Alter von 73 Jahren verstarb. Der Pollak-Stollen befand sich nach dem Krieg zunächst unter nationaler Verwaltung von Jan Řihák, nach der Verstaatlichung arbeitete er als Techniker im Bergwerk.   Das Bergwerk war bis zum Jahr 1972 in Betrieb. Auf dem Friedhof bei der Kirche in Nové Těchanovice befindet sich die Grabstätte der Mutter des Unternehmers Carl Weisshuhn, welche bei der Mühle in Zálužné gewohnt hat - in dem heute bereits nicht mehr existierenden Berghaus Nr. 11, in welchem sich im Zeitraum von 1867 bis 1870 auch der erste Sitz von Weisshuhns Firma befunden hat.

 

NOVÉ TĚCHANOVICE – WOLFSKAPELLE

Diese Kapelle ist mit dem letzten geförderten Schiefer zum Dachdecken in Nízký Jeseník gedeckt worden.  Die Abdeckung wurde im Schieferbergwerk Nové Těchanovice-Lhotka von Herrn Miloslav Vlček (Miloslav Wolf) - einem der letzten alten Spaltmeister gespalten und geschnitten.  Dieser Schiefer wurde im September 2010 gefördert und verarbeitet.
 

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