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Raab-Bergwerke

GPS: 49°49'1.499"N 17°42'40.561"E - Karte


DIE BERGWERKE IM BERGMANNSTAL

Bei der hiesigen Stelle genannt „Hornigsgrund“ - im Tal des Bachs Horník sowie im Katastergebiet von Starýé Těchanovice sind bis heute Halden von der Schieferförderung erhalten geblieben.      Es handelt sich um die Bergwerke, welche von Johann Raab - einem Bewohner von Staré Těchanovice eröffnet wurden.  Der Bach Horník (Bergmann), welcher durch das Tal namens Hornigsgrund fließt, hat am Ende des 19. Jahrhunderts sowie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den tschechisch-deutschen Namen  "Hornigsbach" erhalten. Der Name gibt Auskunft darüber, dass im Bachtal einst Bergmänner gearbeitet haben. Die Schieferförderung erfolgte beim westlichen Hang vom Tal, wo sich das Schieferlager dicht unter der Bergoberfläche befunden hat. Die Raab-Stollen der Schieferbergwerke haben sich auf zwei, teilweise auch auf drei Etagen in regelmäßigen Abständen in den Hang des Bachtals eingebohrt - was bis heute noch so ist. 

 

7 Stollen

Auf den Halden mit dem geförderten sowie nicht weiter verwendeten Material befinden wir uns gerade. Oberhalb des Bachs wurden hier auf einigen Höhenstufen insgesamt sieben kurze waagerechte Stollen vorgetrieben. Mit der Förderung des hiesigen Schieferlagers wurde im Jahr 1873 von Johann Raab begonnen - dem Besitzer des Bauernhofs Nr. 54 in Starýé Těchanovice sowie Pächter des dortigen Gemeindegasthauses. In seinen Schieferbergwerken - in  „Grundech“ beschäftigte er vor allem hiesige Kätner und Häusler.  Diese hatten bis zu diesem Zeitpunkt nur ihre Ländereien bestellt und hatten in Bezug auf die Bergbautätigkeit in den tiefen Bergwerken keinerlei Erfahrungen.  Aber sie begannen mit der Arbeit, da sie sich somit auf geeignete Weise etwas hinzuverdienen konnten.

 

BERGWERKE UND TODESOPFER

Im Rahmen der Arbeiten in den hiesigen Bergwerken kam es nicht selten vor, dass - teilweise aus Unkenntnis sowie auch aus Unachtsamkeit Unglücke passiert sind, welche Verletzungen sowie auch Todesopfer zur Folge hatten. Im Zeitraum von 1873 bis 1888 sind sechs Bergmänner bei Bergbauarbeiten in den hiesigen Bergwerken ums Leben gekommen.

 

JOHANN RAAB

Aufgrund der häufigen Unglücke sowie auch aufgrund der beachtlichen Konkurrenz, welche bei weitem besser organisiert war, als das Nittmann-Bergwerk, hat Johann Raab seine Bergwerke im „Hornigsgrund“ im Jahr 1888 geschlossen und die Förderung eingestellt.  Er bleibt aber weiterhin öffentlich tätig. Bereits im Jahr 1888 gehörte er zu den fünf Gründungsmitgliedern des Freiwilligen Feuerwehrvereins in Staré Těchanovice und wurde auch sofort zu dessen ersten Kommandanten gewählt.  Ein Jahr später wurde er Mitglied des ersten Vorstands des hiesigen Sparkassenvereins und der Darlehenskasse mit dem Namen "Reifeisenkasse".


VERDIENSTE UND PREISE

Im gesamten neunzehnten Jahrhundert war die Schieferförderung sowie die Produktion und der Verkauf von Schieferprodukten ein sehr ertragreicher und gefragter Industriezweig. Die Preise für die Produkte vom Raab-Bergwerk haben sich nicht von den Preisen der anderen umliegenden Steinbrüche unterschieden. Entsprechend der Chronik von Staré Těchanovice haben die Preise im Jahr 1880 wie folgt betragen:

  • 1 Schock (60 Stück) Dachschieferziegel hat im Durchschnitt 15 Kreuzer gekostet,
  • 1 Viertel Klafter Dachbelag (ca. 3,6 m2) kam auf 80 bis 100 Kreuzer, entsprechend dem Typ und der Form der Ziegel.

 

Die Arbeit in den Schieferbergwerken - egal, ob nun unter Tage oder an der Oberfläche, war relativ gut bezahlt.

Vergleichen wir die damaligen Gehälter der Beschäftigten in den Raab-Bergwerken mit den Verdiensten der anderen Arbeiter:

  • der tägliche Lohn eines Bergmanns betrug 1 Goldtaler - also 100 Kreuzer,
  • der Lohn eines Arbeiters im Bergwerk betrug 60 Kreuzer,
  • der tägliche Lohn eines Arbeiters, welcher an der Oberfläche tätig war, betrug 50 - 60 Kreuzer,
  • ein Tagelöhner hat 20 Kreuzer verdient, ein Maurerhandlanger 40 Kreuzer, und ein Maurer von 80 Kreuzern bis 1 Goldtaler,
  • ein Knecht beim Bauern hat 50 - 60 Goldtaler jährlich verdient, eine Magd 40 Goldtaler.

 

Und was konnten sich die Leute für ihren Lohn kaufen?

Von den Grundpreisen zum täglichen Leben seien hier folgende erwähnt:

  • 1 Pfund (0,56 kg) Weizenmehl hat 10 Kreuzer gekostet, Roggenmehl 6 Kreuzer,
  • 1 Pfund Butter war für 12 Kreuzer zu haben,
  • 1 Pfund Schweinefleisch hat 30 Kreuzer gekostet,
  • 1 Maß (ca. 1,5 l) Milch hat 8 Kreuzer gekostet,
  • für 8 - 9 Eier waren 6 - 7 Kreuzer zu bezahlen,
  • ein Paar Schuhe hat 4 - 5 Goldtaler gekostet, ein Paar Damenschuhe 2 - 3 Goldtaler,
  • der Tischler hat für einen Sarg  4 - 40 Goldtaler verlangt.

 

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