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Honoratioren


Jan Zajíc

Der in Vítkov gebürtige Jan Zajíc, geboren am 3. Juli 1950 in der Familie eines Drogisten und einer Lehrerin, verbrannte sich am 25. Februar 1969 in Prag aus Protest gegen die damalige Besatzung der ČSSR durch die Truppen des Warschauer Pakts und auch aus Protest gegen den Sieg der Kommunisten im Februar 1948.

Jan Zajíc

Er war damals ein neunzehnjähriger Student der Mittleren Berufsfachschule, der Eisenbahnerfachschule in Šumperk. Während seines Studiums interessierte er sich stark für Literatur und Poesie. Es versuchte, selbst Gedichte zu schreiben. Er folgte als Zweiter mit seiner Tat Jan Palach als lebendige Brandfackel nach, mit dem Ziel zu äußern, dass es notwendig ist, die Menschen von Apathie, Bewusstsein von Niederlage und von sich abfinden mit der Notwendigkeit der Kollaboration zu befreien. Nach der Selbstverbrennung von Jan Palach nahm er am Protesthungerstreik teil, den er am Begräbnistag von Palach beendete. Etwa einen Monat später entschied er sich, enttäuscht von der fortschreitenden Normalisierung und auch davon, dass Palachs Tat keine langfristige Reaktion in der Gesellschaft zur Folge hatte, Palach zu folgen. Er verbrannte sich an dem gleichen Tag ungefähr um halb zwei am Nachmittag im Flur des Hauses Nr. 39 im oberen Teil des Wenzelsplatzes in Prag, und er starb an Ort und Stelle.

Die Nachrichten über Zajíc Tod kamen in seine Geburtsstadt Vítkov nur fragmentarisch, aber sie erregten hier eine allgemeine Bewegung. Die sterblichen Überreste von Jan Zajíc wurden nach Vítkov überführt, und der Sarg wurde im Vestibül der Grund- und Hauptschule in der Opavská-Straße ausgestellt. Die Mitschüler von Jan hielten an seinem Sarg eine Ehrenwache, und es wurden hier auch die Kondolenzschreiben ausgestellt.

Die Menschen kamen in großen Mengen, um das Andenken von Jan zu ehren und drückten so ihr tiefes Mitgefühl aus. Am 2. März 1969 wurde Jan nach einem Umzug durch die Stadt, an dem einige Tausend Leute teilnahmen, auf dem Stadtfriedhof in Vítkov bestattet.

Das Grabmal auf dem Grab von Jan wurde in seiner jetzigen Gestalt erst nach dem Jahr 1989 enthüllt, und sein Autor ist der akademische Bildhauer Olbram Zoubek. Dieser Bildhauer stimmte ebenfalls den Ereignissen zwischen den Jahren 1968 und 1969 nicht zu, und deshalb wurde er von den Schicksalen beider Jungen erheblich beeinflusst.

Nach der großen Samtrevolution im Jahre 1990 wurde der Stadtplatz von Vítkov auf Jan Zajíc-Platz umbenannt.

Im Juni 1992 entstand die Stiftung des Jan Zajíc-Preises an der Grundschule Vítkov, Opavská-Straße Nr. 22 und auf dem Stadtamt in Vítkov. Der Initiator der Stiftungsgründung war Mgr. Vladislav Kučík, Autor des Szenarios für den Film „Jan“, der Anfang des Jahres 1992 vom Tschechoslowakischen Fernsehen aufgeführt wurde. In diesem Film kehrt der Autor zu den tragischen Ereignissen des Jahres 1969 zurück. Der Film erregte das außerordentliche Echo von Millionen Zuschauern.

Das Ziel des Stiftungsfonds ist, einmal pro Jahr bei Gelegenheit des Gedenktagestags der Selbstverbrennung von Jan Zajíc die besten Schüler und Studenten unserer Region zu bewerten.

Der Preis kann für eine Heldentat, Rettung des menschlichen Lebens, außerordentliche Studien- oder Arbeitsergebnisse, Sieg und Erfolge bei Olympiaden und Wettbewerben aller Arten, Formen und Stufen, Publikations-, Wissenschafts-, Kunst- und für charitative Tätigkeit verliehen werden. Seine Verleihung wird vom Verwaltungsrat bewertet, der aus den Vertretern der Grundschule, des Stadtamtes, der ŠÚ und der Tschechischen Post besteht.

Alle Preise werden bei Gelegenheit der pietätvollen Erinnerung an den Tod von Jan Zajíc auf den Konzertaufführungen von Berufskünstlern und in Anwesenheit von bedeutenden Gästen übergeben.




Ferdinand Hanusch

9. November 1866 – 28. September 1923

Ferdinand Hanusch

Er wurde im Jahre 1866 in dem damaligen Ort Horní ves, der noch kein Teil der Stadt Vítkov (damals genannt Wigstadtl) war, in einer armen Familie geboren. Er musste mit Fleiß und Ausdauer einige Handwerke erlenen, um über die Runden zu kommen. Seinen ersten Lohn verdiente er sich als Arbeiter auf dem Bau der Seidenfabrik Vítkov (Wigstadt). Später arbeitete er als Weber. Schon im Jahre 1897 wurde er ein Mitglied der sozial-demokratischen Seite und Gewerkschaftsfunktionär. Er ging probehalber in die Welt hinaus, und weil er sehr begabt und zäh war, erhielt er bald durch sein Selbststudium beträchtliche allgemeine Kenntnisse. Er wirkte als politisch-gewerkschaftlicher Sekretär in Sternberg und ab dem Jahr 1900 wurde er Sekretär der Verbandsunion von Textilarbeitern in Wien. Im Jahr 1907, nach rechtlicher Ausgestaltung des Wahlgesetzes, wird er sozial-demokratischer Abgeordneter des Reichstags, der erste österreichische „nationale“ Abgeordnete in Wien, der Hauptstadt des damaligen Österreich-Ungarns. Dadurch wurde ihm ermöglicht sozial-politische Änderungen zugunsten der Arbeiter vorzuschlagen und vorzulegen.

Ab Entstehung der ersten Regierung der österreichisch-deutschen Republik im Jahre 1918 war er als Staatssekretär für soziale Angelegenheiten und Fürsorge ihr Mitglied in der Ministerfunktion bis zum Jahr 1920.

Seine Gesetzesinitiative legte die Grundsteine für den modernen Sozialstaat, von Anspruch auf Urlaubszahlung über soziale Arbeiterversicherung und Entstehung des Gewerkschaftsrats bis hin zur Verabschiedung der Arbeitszeitregulierung. Er machte sich verdient um die Abschaffung der  Nachtarbeit von Frauen und Jugend und auch den Verbot von Kinderarbeit.

Als er selbst und seine Freunde im Jahr 1920 die österreichische Regierung verließen, wurde er der Direktor der Wirtschaftskammer Wien für Arbeiter und Angestellte und arbeitete weiterhin als Vorsitzender des sozial-politischen Ausschusses an der Verbesserung der sozialen Gesetzgebung in Österreich bis zu seinem vorzeitigem Tode im Jahre 1923. Er ist auf dem Zentralfriedhof in Wien begraben.

Im Buch Geschichte der Stadt Vítkov von Josef Ullrich vom Jahre 1933 wird Ferdinand Hanusch als einer der bedeutenden Söhne des Vaterlands (Seite 547 – 548), herausragenden sozial-demokratischen Politiker und Organisator, zu dessen dauerhaften Verdiensten hauptsächlich die Durchsetzung der sozial-politischen Vorstellungen gehört, dank derer das damalige Österreich eines der besten sozialen Systeme hatte und bis heute hat, beschrieben.

Das Andenken an Ferdinand Hanusch ehrte die Stadt Wien und ganz Österreich mit der Aufstellung eines Nationaldenkmals mit den Büsten sozial-demokratischer Politiker auf der Wiener Ringstrasse und im Namenslexikon der Wiener Straßen finden wir die Hanuschgasse schon ab dem Jahre 1924. Auch weitere Städte ehrten mit der Straßenbenennung das Andenken und die Verdienste dieses großen Mannes und Politikers.

 

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